Hilfe, mein Baby hat keinen Schlafrhythmus!

Neugeborenes | © panthermedia.net /olesiabilkei Neugeborenes | © panthermedia.net /olesiabilkei

Solche oder ähnliche Schlagzeilen liest man oft, doch was heißt das überhaupt? Haben Babys denn einen Schlafrhythmus, und wenn ja, welchen? Kann man den Schlafrhythmus bei Babys trainieren? Diese und noch viel mehr Fragen stellen sich Eltern täglich. Tatsache ist: Schlafgewohnheiten von Babys können verwirrend sein und unser Leben auf den Kopf stellen.

Egal, ob es der originelle nächtliche Zeitplan des Neugeborenen ist oder ein älteres Baby, das sich nicht auf den Schlaf bei Nacht festlegen lässt, die Ergebnisse sind dieselben: Ein Elternteil, das am Schlafen ist und ein anderes, das verzweifelt um Schlaf bettelt. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Säuglingsschlaf könnten vielleicht helfen. Aber wir möchten dich beruhigen: Das hier wird kein Artikel, nach dessen Lektüre du dich wie ein kompletter Loser fühlst. Hier gibt es kein: „Alle anderen haben es geschafft, nur du nicht.“

So entwickelt dein Neugeborenes langsam eine „innere Uhr“.

Man kann sich den Tag-Nachtrhythmus als innere Uhr vorstellen, aber es gibt einen Haken: Die Uhr kommt nicht vorprogrammiert an. Wenn Babys geboren werden, sind ihre inneren Uhren nicht mit dem äußeren 24-Stunden-Zyklus von Tageslicht und Dunkelheit synchronisiert. Studien zeigen, dass Babys sich schneller anpassen, wenn Eltern ihnen die richtigen Hilfestellungen geben. Setze dein Baby also natürlichem Tageslicht aus und beziehe es in das anregende Treiben deiner täglichen Aktivitäten ein, wie man es auch auf Eigennachwuchs.de schön nachlesen kann. Wenn der Abend kommt, schütze dein Baby vor künstlicher Beleuchtung. Licht ist ein Signal, das das Gehirn anweist, den Beginn der Schläfrigkeit nachts zu verzögern.



Verwende Glühlampen (oder Filter), die blaue Wellenlängen blockieren.

Kinderfüße | © panthermedia.net /Tomas Anderson

Kinderfüße | © panthermedia.net /Tomas Anderson

Was können wir tun, wenn wir abends etwas unternehmen wollen, zum Beispiel lesen? Was können wir tun, wenn wir eine Windel wechseln müssen? Glücklicherweise wirken sich nicht alle Lichtwellenlängen auf die innere Uhr aus. Es scheint jedoch, dass eine Komponente des weißen Lichts – der blaue Teil des Spektrums – für viele Schlafprobleme verantwortlich ist. Eine bernsteinfarbene Birne mit wenigen Watt kann Ihr Baby vor blauen Wellenlängen schützen und bietet dennoch ausreichend Licht für die nächtliche Säuglingspflege.

Hilf deinem Baby, sich zu beruhigen: Mache die Stunde vor dem Zubettgehen zu einer Zeit der Sicherheit, des Glücks und der emotionalen Bestätigung.

Versuche, eine feste Schlafenszeit einzuhalten, und kümmere dich um deinen eigenen emotionalen Zustand, denn Stress ist ansteckend. Eltern, die beruhigend auf die Gefühle ihrer Kinder reagieren, berichten von weniger Schlafstörungen bei Kleinkindern. Dies ist unabhängig von den Schlafarrangements einer Familie der Fall. Ob Kinder ein Schlafzimmer mit ihren Eltern teilen oder woanders schlafen – sie schlafen sie besser, wenn ihre Eltern ansprechbar sind.

Setze dich mit Stress auseinander – für dein Baby und für dich selbst

Es ist schwer, ein Baby zu beruhigen, das sehr reizbar oder verzweifelt ist. Aber was ist, wenn du dich selbst zu gestresst fühlst, um das Baby zu beruhigen? Oder zu deprimiert? Wenn ja, bist du nicht alleine. Die Betreuung eines Babys kann sehr anstrengend sein, insbesondere wenn du keinen Schlaf bekommst, mit einem Geburtstrauma fertig werden musst oder mit einem Baby zu kämpfen hast, das viel schreit. Mache deine eigene psychische Gesundheit zur Priorität. Postnatale Depression und Stress sind sehr häufig, aber viele Eltern leiden weiter still. Sprich mit deinem Arzt über deine Möglichkeiten.

Wenn dein Baby zur Schlafenszeit nicht schläfrig zu sein scheint, versuche nicht, es zu erzwingen.

Baby | © panthermedia.net /Andriy Popov

Baby | © panthermedia.net /Andriy Popov

Du möchtest sicher nicht, dass dein Baby die Schlafenszeit mit Konflikten in Verbindung bringt. Versuche stattdessen, positive Routinen immer zur selben Zeit abends einzuführen – gemütlich waschen, ins Bett kuscheln, vielleicht singen oder vorlesen. Elektronische Spielzeuge, Handy und TV sind im Schlafzimmer tabu!

Vermeide lange Nickerchen am späten Nachmittag!

Babys geht es da ähnlich wie Erwachsenen: Späte Nickerchen können die Schläfrigkeit in die Nacht hinein verschieben und den Nachtschlaf rauben. Finde heraus, ob du die Zeit verlängern kannst, die dein Baby während seiner letzten aktiven Zeit während des Tages wach verbringt.

Kein TV und andere elektronische Medien im Schlafzimmer!

Wie bereits erwähnt, kann die Verwendung elektronischer Bildschirme während der Nacht zu Problemen führen, da sie schlafstörendes, bläuliches Licht abgeben. Auch die Nutzung elektronischer Medien während des Tages kann problematisch sein. Forscher berichten über Verbindungen zwischen der Nutzung elektronischer Medien und späten Schlafenszeiten. In einer 2017 durchgeführten Studie war der Effekt stark von der Dosis abhängig: Für alle 2,5 Minuten, die Babys ein elektronisches Medium nutzten, dauerte es 5 zusätzliche Minuten, um nachts einzuschlafen.

Du bekommst nicht genug Schlaf? Gib deinem Baby unmittelbar vor dem Einschlafen die Brust.

Diese Taktik, die manchmal als „Traumfütterung“ bezeichnet wird, lässt das Baby länger durchschlafen. Es geht darum, das Baby noch einmal – im Halbschlaf – zu füttern, wenn man selbst schlafen geht.

Greife nicht zu früh ein, wenn du glaubst, dass dein Baby mitten in der Nacht erwacht ist. Dein Baby könnte wieder alleine weiterschlafen!

Mann schläft mit Kind im Bett | © panthermedia.net /IuliiaVerstaBO

Mann schläft mit Kind im Bett | © panthermedia.net /IuliiaVerstaBO

Kleinkinder schlafen sehr unruhig. Sie geben häufig Laute während des Schlafs von sich und öffnen manchmal ihre Augen. Das ist normal und kein Grund für Eltern, gleich aus dem Bett zu springen.

Sei ruhig und sanft, wenn du dein Baby mitten in der Nacht betreust. Aber vermeide Konversation und Blickkontakt.

Nachtfütterungen sind bei jungen Babys die Norm. Aber du kannst etwas tun, um diese Sitzungen weniger störend zu gestalten: Sei sanft und langweilig. Sehr langweilig. Auch etwas so banales wie ruhiges Gespräch und Blickkontakt können für ein Baby sehr aufregend sein. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass der Augenkontakt im Gehirn eines Kindes eine starke Aktivität auslöst. Augenkontakt und Mamas Stimme bedeuten: Partyzeit!

Wenn dein Baby untröstlich weint, gib dir selbst nicht die Schuld.

Sogenannte „Schreikinder“ werden oft als „Kolikfälle“ diagnostiziert, doch ist dieser Begriff nicht viel mehr als ein Etikett für „Wir wissen nicht, warum dein Baby so sehr weint“. Manche Babys sind zu bestimmten Zeiten, besonders ab Einbruch der Dunkelheit, einfach total überfordert und schreien, weil ihre neuronale Entwicklung nicht mit der Fülle an Eindrücken Schritt halten kann. Besonders Frühgeburten sind davon betroffen. Du solltest keine Scheu davor haben, deine Beobachtungen und Bedenken mit dem Kinderarzt zu besprechen.

Weißes Rauschen? Enges Wickeln? Bett teilen? Achte auf Sicherheit.

Es gibt eine ganze Branche, die mit Einschlafhilfen für Babys Geld verdient. Doch können manche dieser Produkte oder Praktiken sogar schädlich sein. Zum Beispiel gibt es Grund zu der Annahme, dass „weißes Rauschen“ Babys beim Schlaf helfen kann. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass viele Soundmaschinen, die für diesen Zweck verkauft werden, Geräusche erzeugen können, die die Ohren eines Kindes schädigen können.

Ebenso kann das traditionelle Wickeln dazu beitragen, dass Babys länger schlafen. Bei diesen Einschlafhilfen ist Vorsicht geboten und das Wickeln darf nie so eng sein, dass die Bewegungsfreiheit und die Atmung des Babys eingeschränkt sein könnten!

Darf mein Baby neben mir im Elternbett schlafen?

Baby im Arm der Mutter | © panthermedia.net /Klanneke

Baby im Arm der Mutter | © panthermedia.net /Klanneke

Während der gesamten Menschheitsgeschichte haben in allen Kulturen der Welt Mütter neben ihren Kindern gelegen. Aber die Menschen in diesen Kulturen schliefen auf sehr festen Oberflächen – wie Matten auf einem harten Boden. Studien über SIDS-Fälle in den Industrienationen legen nahe, dass Babys – insbesondere sehr junge Babys – einem höheren Risiko ausgesetzt sind, wenn sie in einem zu weichen Bett schlafen. Das soll dich aber nicht davon abhalten, möglichst viel mit deinem Baby zu kuscheln!



Fühle dich sich nicht unter Druck gesetzt, dein Baby aufstoßen zu lassen oder zu wickeln, wenn es dadurch wach wird.

Wenn dein Baby schläft oder kurz dösen will, solltest du es nicht mit aufdringlicher Fürsorge wecken. In einer kürzlich durchgeführten Studie mit mehr als 70 Säuglingen fanden die Forscher keinen Hinweis darauf, dass das Aufstoßen für Babys von Vorteil ist. Im Gegenteil, sie weinten nach dem Aufstoßen nicht seltener und tatsächlich erhöhte sich die Chance der Babys, nach einer Mahlzeit wieder zu erbrechen. Und ein früheres Experiment legt nahe, dass Babys nicht durch das Gefühl einer nassen Windel geweckt werden.

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