Bewusste Geräte Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz Geplante Obsoleszenz
Geplante Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren einen hohen Stellenwert erhalten.

Doch nun rückt zunehmend ein Phänomen ins Bewusstsein, welches all den guten Ansätzen widerspricht und geradezu als Anti-Nachhaltigkeit bezeichnet werden muss. Die Rede ist von der geplanten Obsoleszenz.

Der Begriff ‚Obsoleszenz‘ stammt aus der Wirtschaft und bedeutet ‚Veralterung‘ von Produkten. Geplante Obsoleszenz liegt vor, wenn Geräte nicht auf natürlichem Wege ausdienen, sondern aufgrund einer systematischen und vorsätzlichen Verkürzung der Produktlebensspanne durch die Hersteller früher als nötig unbrauchbar gemacht werden. Diese Praxis ist nicht neu. Im letzten Jahrhundert gab es mehrfach Fälle von geplanter Obsoleszenz in großem Stil, sei es in der Automobilindustrie oder bei der Herstellung von Glühbirnen. Die Motivation für diese arglistige und schwer nachweisbare Art von Sabotage der eigenen Produkte ist es, die Kunden zu häufigen Neuanschaffungen zu zwingen und somit eine stetige Nachfrage zu erhalten.

Kaufen für die Müllhalde (ARTE/HD)

Formen der geplanten Obsoleszenz

Mit der digitalen Technik sind auch die Möglichkeiten gewachsen, unbemerkt sog.

Sollbruchstellen in die Geräte einzubauen. Bei dieser Form der geplanten Obsoleszenz werden absichtlich minderwertige Komponenten verbaut, die nach einer bestimmten Zeit verschleißen und damit das gesamte Gerät, unbrauchbar machen. Gleichzeitig werden auf anderer Ebene die Möglichkeiten zur Reparatur eingeschränkt.

Die entsprechenden Teile, beispielsweise Akkus in Mobilfunkgeräten, werden fest eingebaut; Ersatzteile sind so überteuert, dass eine Reparatur unwirtschaftlich wird oder werden gar nicht erst zugänglich gemacht. Software-basierte Geräte, wie Computer, Handys oder Digital-Kameras, ermöglichen noch subtilere Formen der geplanten Obsoleszenz. So können mit einer neuen Version des Betriebssystems schlagartig gleich mehrere Geräte unbrauchbar werden, da sie inkompatibel sind und aktuelle Treiber nicht zur Verfügung gestellt werden.

Braintuning – Obsoleszenz – Der eingebaute Tod

Wer einen neuen Laptop kauft, kann damit konfrontiert werden, dass Drucker und Co. unter der neuen Software nicht funktionieren und ebenfalls ausgetauscht werden müssen.

Möglichkeiten für die Verbraucher

Die Schwierigkeit für Verbraucher, sich gegen die Praxis der geplanten Obsoleszenz zu wehren, liegt in der schweren Nachweisbarkeit und in der bislang fehlenden rechtlichen Grundlage.

Ist die Garantiezeit abgelaufen, besteht kaum eine Handhabe, um den Verschleiß der Geräte oder ihre Unbrauchbarkeit erfolgreich zu reklamieren. Doch gibt es durchaus Möglichkeiten zum Handeln.

Zum einen raten Verbraucherzentralen, sich bei Neuanschaffungen im Vorhinein gründlich zu informieren, z.B. im Hinblick auf Herstellergarantien, Austauschbarkeit von Akkus und anderen Einzelteilen oder auch das Abschneiden in Warentests. Initiativen wie das Internetportal „Murks? Nein Danke!“ bieten die Möglichkeit, sich anhand von Rankings über die Obsoleszenz-Praktiken einzelner Hersteller zu informieren. Darüber hinaus kann hier durch Veröffentlichung der eigenen Erfahrungen dazu beigetragen werden, mehr Transparenz zu schaffen und somit den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen. Sogenannte Repair-Cafés und Fixit-Seiten im Internet bieten Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie zum Beispiel Reparaturanleitungen zugänglich machen. Wie so oft gibt es auch hier keine schnelle und bequeme Lösung des Problems; die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

Kalkulierter Ausfall (Obsoleszenz)


Doch Verbraucher haben weitaus mehr Macht und Möglichkeiten, als ihnen zuweilen gegenwärtig ist. Durch ein bewusstes und kritisches Konsumverhalten lässt sich konkret Einfluss nehmen – und Nachhaltigkeit nicht mehr nur debattieren, sondern praktizieren.

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Tyler Olson