Bewertungen kaufen – Das große Vertrauensproblem im Internet

So können Sie sie enttarnen

Bewertungen kaufen

Seit es die Möglichkeit gibt Produkte und Dienstleistungen im Internet zu bewerten, gibt es auch schon die „schwarzen Schafe“, die Bewertungen kaufen. Um als Kunde/Kundin, diese gefälschten Bewertungen zu entlarven, finden Sie in den folgenden Abschnitten einige interessante Tipps dazu.Bewertungen kaufen
Durch die mittlerweile flächendeckende Verbreitung und Nutzung des Internets hat sich das Kaufverhalten der Verbraucherinnen und Verbrauchern massiv verändert. Bisher wurden Einkäufe in der Regel in großen Kaufhäusern, kleinen Boutiquen, Baumärkten und ähnlichen Einrichtungen vorgenommen. Seit geraumer Zeit setzt sich jedoch eine Verhaltens- und Bewusstseinsänderung durch.

Der Trend dieser Veränderung steigt stetig an und wird sich auch in Zukunft immer häufiger bemerkbar machen. Es geht um das alltägliche Einkaufsverhalten. In Zeiten der schnellen Internetverbindungen etablieren sich immer häufiger Online-Händler am Markt. Oftmals agieren diese länderübergreifend, einige sind sogar am weltweiten Markt aktiv.

Verbraucherinnen und Verbraucher möchten heutzutage nicht mehr verschiedene Geschäfte aufsuchen und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.



Statt mit dem Pkw oder dem öffentlichen Nahverkehr die einzelnen Einkaufsmöglichkeiten anzusteuern, bestellen viele Personen ihre Ware direkt und bequem von zu Hause aus.

Das Internet und die darin weitverbreiteten Shopping-Systeme machen dies problemlos möglich. Hierbei tritt jedoch immer wieder ein Problem auf. Die Kundinnen und Kunden können ihre bestellte Ware nicht vorab in Augenschein nehmen und gegebenenfalls einen kritischen Test unterziehen. Kleider, Pullover und Hosen können nicht anprobiert, der jeweilige Stoff nicht angefasst werden. Andere Gegenstände können nicht in die Hand genommen und auf entsprechende Qualität geprüft werden.

Da für eine Bestellung im Internet in der Regel Versandkosten anfallen, ist dieser Kauf der sprichwörtlichen Katze im Sack oftmals mit einem gewissen Risiko verbunden. Gefallen den Kundinnen und Kunden die eingekauften Konsumgüter nicht, so können diese in der Regel zurückgesandt werden. Der Kaufpreis wird hierbei zwar erstattet, die Versandkosten trägt jedoch üblicherweise der Käufer.

Im schlimmsten Fall behält die Kundin bzw. der Kunde keine Ware für sich, entrichtet aber dennoch die Kosten für den angefallenen Versand. Potenzielle Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen daher vor dem digitalen Einkauf eine Möglichkeit, sich über das Objekt der Begierde zu informieren.

Statistik: Wenn Sie Online-Bewertungen zu Produkten oder Dienstleistungen lesen, inwiefern beeinflussen diese Sie? (nach Altersklassen) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei w

Die meisten Online-Händler sind daher dazu übergegangen, ein Bewertungssystem für ihre Waren einzuführen. Hier können die Kundinnen und Kunden nach einem getätigten Kauf die Gelegenheit nutzen, die gekaufte Ware zu bewerten und gegebenenfalls zu kommentieren. Ein bekanntes und seriöses Bewertungsportal schreibt dazu:

[…] Zu den meisten Shops gibt es ausführliche Erfahrungsberichte von Usern und Käufern zu lesen. So kann man aus den authentischen Erlebnissen anderer Käufer Rückschlüsse ziehen und sich informieren, wie z.B. die Produkte, die tatsächlichen Lieferbedingungen oder der Service bei einem bestimmten Shop abschneiden.

Natürlich kann man auch selbst ohne viel Aufwand und vor allem ohne Eingabe persönlicher Daten Erfahrungsberichte zu den Liveshopping Anbietern hinterlassen und eine Bewertung über ein einfaches Punktesystem (Sterne) abgeben.

Quelle: http://www.liveshopping-aktuell.de/shops/

Auf Grundlage der Bewertungen können sich andere Kundinnen und Kunden also einen Eindruck von der Qualität des gewünschten Produktes verschaffen. Bei den größeren Online-Händlern ist dieses System ebenfalls unlängst etabliert und wird von den Kundinnen und Kunden im vollen Umfang angenommen bzw. genutzt.

Das Interesse der Anbieter an guten / positiven Kundenbewertungen

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Anbieterinnen und Anbieter von Waren an guten / positiven Kundenbewertungen interessiert sind. Verschiedene Studien haben ergeben, dass sich das Kaufverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern im Internet stark nach den Bewertungen des jeweiligen Produktes richtet. Die Kundinnen und Kunden sind durchaus gewillt, für ein als „sehr gut“ klassifiziertes Produkt mehr Geld auszugeben, als für ein Produkt mit einer durchschnittlichen Bewertung.

Betrachtet und studiert man die Bewertungen im Internet, so kommt man jedoch schnell auf den Gedanken, dass einige dieser Bewertungen gekauft bzw. geschönt wurden. Die Anbieterinnen und Anbieter wissen um den Wert einer guten Bewertung. Häufig gehen die „schwarzen Schafe“ der Branche daher dazu über ein lediglich mäßig bewertetes Produkt durch weitere positive Bewertungen in der Gunst der Kundinnen und Kunden aufzubessern. Hierzu werden gezielt Personen aufgefordert gegen ein Entgelt oder sonstige Vergütungen / Vergünstigungen eine positive Bewertung abzugeben. Die Bewertungsportale selbst bekommen davon meistens nichts mit; sind sie doch neben den Verbrauchern auch die Betroffenen.

Die gekaufte Bewertung – Der potenzielle Vertrauensbruch im Internet

Für den Handel mit positiven Bewertungen besteht innerhalb des Internets ein regelrechter Markt. Die Anbieterinnen und Anbieter von Konsumgütern investieren große Geldsummen, um ihre Produkte in einem guten Licht dastehen zu lassen. Oftmals werden Käuferinnen und Käufer eines Produktes direkt angeschrieben. Da bei einem digitalen Einkauf mithilfe eines Shopping-Systems in der Regel eine E-Mail-Adresse angegeben werden muss, wird der einfache und schnelle Direktkontakt zur Kundin / zum Kunden sichergestellt.

Es wurden bereits Systeme entwickelt, die nach einem getätigten Einkauf automatisiert E-Mails an die Käuferinnen und Käufer versenden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden in diesen E-Mails aufgefordert (bzw. werden darum gebeten), das Produkt positiv zu bewerten. Sollten diese darauf eingehen – etwa weil ihnen das Produkt tatsächlich im vollen Umfang zusagt oder weil sie dem Anbieter einen gefallen tun wollen -, so wurde diese positive Bewertung kostenlos herbeigeführt.

Einige Anbieterinnen und Anbieter bieten jedoch auch monetäre Beträge, Vergünstigungen für künftige Einkäufe oder Rabatte an, wenn die Verbraucherin / der Verbraucher das Produkt positiv bewertet. Darüber hinaus existieren Foren und Meinungsportale, in denen Personen positive Bewertungen kaufen, auch wenn diese mit dem Produkt gar nicht vertraut sind, da sie es nicht gekauft haben.

Die Bewertungen werden in diesen Fällen sehr wohlwollend formuliert. Oftmals geben Verkäuferinnen und Verkäufer vor, was in der gekauften bzw. gefälschten Bewertung stehen soll. Rechtlich gesehen handelt es sich bei diesem Geschäft um eine Grauzone. Es existiert derzeit keine einheitliche Rechtsprechung der Judikative, ob eine solche gekaufte Bewertung eine illegale Vorgehensweise darstellt oder nicht.

Der derzeitige Tenor sieht vor, dass ein Unternehmen seine Kundinnen und Kunden zur Abgabe einer positiven Bewertung auffordern darf. Problematisch wird dies jedoch, wenn die Aufforderung zur Abgabe einer positiven Bewertung tatsächlich mit Vergünstigungen und Geldbeträgen im Zusammenhang steht. Von der vermeintlich illegalen Vorgehensweise lassen sich viele Anbieterinnen und Anbieter von Produkten jedoch nicht abschrecken.

Hierdurch wird das eigentlich gute und nützliche System der Kundenbewertung unterwandert und ad absurdum geführt. Die potenzielle Endkundin bzw. der potenzielle Endkunde kann nicht sicher sein, ob die ihm vorliegenden positiven Bewertungen real sind oder nicht. An dieser Stelle entsteht ein potenzieller Vertrauensbrauch gegenüber den Kundinnen und Kunden der Waren.

Es gilt daher, die vorhandenen Bewertungen genau zu deuten, zu analysieren und zu interpretieren. Es gibt verschiedene Methoden, eine abgegebene Bewertung auf ihre Richtigkeit / auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Einige dieser Möglichkeiten sollen in dem folgenden Abschnitt erläutert bzw. erklärt werden.

Wie erkennen Kundinnen und Kunden das eine Bewertung gekauft oder gefälscht ist?

1. Stehen Qualität und Preis des Produktes im Einklang zueinander?

Zunächst einmal sollten Kundinnen und Kunden selbst die Frage stellen, ob das gewünschte Produkt im Einklang zu dem geforderten Kaufpreis steht. Wird ein vermeintlich qualitativ hochwertiges Produkt zu einem verdächtig niedrigen Preis angeboten, so könnte dies ein Indikator für ein eher mäßiges Produkt darstellen. Sollte dieses Produkt dennoch sehr gut bewertet werden, so sollten diese Bewertungen zumindest mit einer gewissen Grundskepsis betrachtet werden.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass ein günstiges Produkt qualitativ hochwertig ist. Sollten alle vergleichbaren Produkte jedoch wesentlich teurer in der Anschaffung sein, so liegt der Verdacht nahe, dass die positiven Bewertungen nicht authentisch sind. In diesem Falle müssen die Kundinnen und Kunden in Eigenregie beurteilen, ob sie das potenzielle Risiko eines Fehlkaufs eingehen möchten oder nicht.

2. Haben die abgebenden Personen das Produkt überhaupt selbst gekauft?

Oftmals lässt sich innerhalb der Shopping-Systeme feststellen, ob die Personen, die die Bewertungen abgegeben haben, das Produkt überhaupt selbst gekauft haben oder nicht. Sollte dies nicht der Fall sein, so darf die geneigte Kundin / der geneigte Kunde die berechtigte Frage stellen, auf welcher Grundlage die vermeintlich reale Bewertung des Produktes basiert.

Natürlich ist es denkbar, dass das Produkt von der bewertenden Person auf anderem Wege – beispielsweise durch den Einkauf in einem Warenhaus – eingekauft wurde. Jedoch sollte auch in diesem Falle die abgegebene Bewertung kritisch hinterfragen. Sollte man nicht zweifelsfrei zu dem Ergebnis kommen, dass die Bewertung authentisch ist, so ist die Wahl eines anderen bzw. vergleichbaren Produktes empfehlenswert.

3. Stechen einige wenige positive Bewertungen aus der Gesamtsumme heraus?

Sollte ein Produkt in der Regel schlecht bewertet sein, stechen jedoch einige wenige positive Bewertungen aus der Gesamtsumme heraus, so sollten auch diese Meinungsäußerungen genauer betrachtet werden. Wenn eine Eigenschaft eines Produktes in beispielsweise 90 Prozent der Kunden als schlecht / negativ eingestuft wird, jedoch genau diese Eigenschaft in den wenigen positiven Bewertungen gelobt wird, so besteht zumindest eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese positiven Bewertungen nicht authentisch sind.

Im Zweifelsfall sollten sich potenzielle Kundinnen und Kunden auf die deutliche Mehrheit der abgegebenen Bewertungen verlassen und sich nicht von einigen wenigen Abweichlern beeinflussen lassen.

4. Wie aktiv sind die abgebenden Kundinnen und Kunden?

Eine weitere Möglichkeit festzustellen, ob eine abgegebene Bewertung authentisch ist, liegt darin, das Bewertungsverhalten zu analysieren. Oftmals erlauben es die Shopping-Systeme, die anderen abgegebenen Bewertungen einer Kundin/eines Kunden einzusehen. Sollte diese Kundin/dieser Kunde ausschließlich positive Bewertungen hinterlassen und niemals eine negative Eigenschaft eines Produktes erläutern, so darf die potenzielle Neukundin/der potenzielle Neukunde davon ausgehen, dass die derzeit betrachtete Bewertung nicht authentisch ist.

Sollte sich der Verdacht erhärten, dass eine Person mehrfach gefälschte Bewertungen abgegeben hat, so dient es dem Interesse vermeintlicher künftiger Kundinnen und Kunden, wenn diese Person bei dem Online-Anbieter gemeldet und gegebenenfalls gesperrt wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Konzept der Produktbewertung künftig sinnvoll eingesetzt werden kann.

Fazit

Das Problem, mit dem Bewertungen kaufen, wird auch in den nächsten Jahren noch bestehen. Wahrscheinlich wird es sich noch verschlimmern. Daher ist es wichtig die gefälschten bzw. gekauften Bewertungen von den echten zu unterscheiden. Hundert Prozent sicher kann man nie sein, aber wenn man die vier aufgelisteten Punkte anwendet, kann man viele gekaufte Bewertungen enttarnen.



Bildquelle
Artikelbild: © panthermedia.net / Randolf Berold

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