Das Europäische Parlament hat in Erster Lesung zur Richtlinie “zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere” Stellung genommen. Die Abgeordneten sprechen sich dafür aus, die Weiterentwicklung von alternativen Methoden zu ermöglichen und zu fördern und den in “Verfahren” verwendeten Tieren einen möglichst weitgehenden Schutz angedeihen zu lassen.
Die neue Richtlinie zielt unter anderem darauf ab, “Verfahren” mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist. Verfahren wird definiert als ”jede Verwendung eines Tieres zu Versuchs- oder anderen wissenschaftlichen Zwecken mit bekanntem oder unbekanntem Ausgang, die dem Tier unter Umständen Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden zufügen kann und alle Eingriffe einschließt, die dazu führen sollen oder können, dass ein Tier auf eine solche Art geboren wird oder dass eine neue genetisch veränderte Tierlinie geschaffen wird”.
Mitgliedstaaten können strengere nationale Maßnahmen anwenden oder solche beschließen, die das Wohlergehen und den Schutz der zu Forschungszwecken verwendeten Tiere verbessern.
Ethische Bewertung von Verfahren
Die Biomedizinforschung erfordert immer noch die Verwendung nichtmenschlicher Primaten in Verfahren. Die Öffentlichkeit hat die größten Bedenken aufgrund der genetischen Nähe solcher Primaten zum Menschen und ihrer stark ausgeprägten sozialen Fähigkeiten. Deshalb sollte ihre Verwendung ausschließlich in den wesentlichen biomedizinischen Bereichen zulässig sein, die dem Menschen zugute kommen und in denen es noch keine alternativen Methoden gibt.
Aufgrund ihres hohen sinnes-physiologischen und kognitiven Entwicklungsstandes dürfen nichtmenschliche Primaten nicht in Verfahren verwendet werden, es sei denn, dass u. a. der Zweck des Verfahrens nicht durch die Verwendung von anderen Tierarten erreicht werden kann, argumentieren die Abgeordneten.
Des Weiteren sollte sicher gestellt sein, dass jede Verwendung von Tieren sowohl aus moralischen als auch wissenschaftlichen Gründen in Verfahren geprüft wird.
Tierversuche nur dann, wenn es keine Alternative gilt
Die Abgeordneten konstatieren, dass Tierversuche nach wie vor ein wichtiges Hilfsmittel sind, um ein hohes Niveau der Forschung im Bereich Bevölkerungsgesundheit sicher zu stellen. Der Einsatz von Tieren in wissenschaftlichen Verfahren sollte aber nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn es keine tierversuchsfreie Alternative gibt, so das Parlament.
Bei den ausgewählten Methoden sollte darauf geachtet werden, dass die geringstmögliche Anzahl von Tieren und die sinnesphysiologisch am wenigsten entwickelten Tiere verwendet werden, die einerseits für zuverlässige Ergebnisse benötigt werden und bei denen andererseits die beste Möglichkeit der Extrapolation auf die Zielarten besteht.
Kriterien für Verfahren
Die Abgeordneten fordern die Mitgliedstaaten auf, sicher zu stellen, dass der Schweregrad von Verfahren als “gering”, “mittel” oder “schwer” definiert wird. Bei Verfahren, die als “schwer” eingestuft werden, muss eine wissenschaftliche Begründung geliefert und die Einhaltung ethischer Grundsätze überwacht werden, sofern Schmerz, Leiden oder Ängste voraussichtlich nicht nur vorübergehend sind. Diese Verfahren müssen eine Ausnahme bilden. Zudem dürfen Projekte des Schweregrads “schwer” bzw. Projekte, bei denen nichtmenschliche Primaten verwendet werden, nicht ohne eine vorherige Genehmigung durchgeführt werden.
Tiere, die bereits einem Verfahren unterzogen wurden, dürfen nur dann erneut in einem nicht damit zusammenhängenden Verfahren herangezogen werden, wenn unter anderem das weitere Verfahren als “gering bis mittel” eingestuft wird.
Verwendung von nichtmenschlichen Primaten bei Verfahren einstellen
Die Abgeordneten fordern die Kommission schließlich auf, eine Strategie zur schrittweise erfolgenden Einstellung der Verwendung nichtmenschlicher Primaten zu erarbeiten.
Des Weiteren sollen nationale Zentren mit allen maßgeblichen Interessenvertretern zusammen arbeiten, um zu erreichen, dass alle Tierversuche ersetzt werden.
(via)
Dieser Beitrag wurde geschrieben
am Donnerstag, Mai 21st, 2009 um 18:15 Uhr
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