Was tut man also, um dies zu verhindern? Richtig, man bevorratet sich ohne Ende, um nicht nur die Feiertage, sondern gegebenenfalls auch gleich den nächsten Monat bzw. das nächste Jahr überleben zu können. Unglücklicherweise scheinen diese Horden kaufwütiger Kunden immer gerade dann ihre Großoffensive auf einen Supermarkt zu starten, wenn ich ebenfalls meine (bescheidenen) Einkäufe tätigen möchte. Beispielsweise gestern, am Pfingstsamstag:
Mittags fahre ich unbeschwert zu einem großen Discounter und finde keinen Parkplatz. Die 24 anderen Autos, die ebenfalls einen suchen, machen mir nicht gerade Mut, aber dennoch warte ich tapfer. Nach 30 min stehe ich immer noch an derselben Stelle und ich beschließe, in einer Nebenstraße zu parken. Die paar Kleinigkeiten kann ich schließlich auch ein Stückchen tragen, oder?!? Gesagt, getan. Als ich wieder beim Discounter ankomme, muss ich feststellen, dass es keine freien Einkaufswagen gibt. Für mich persönlich nicht schlimm, aber offensichtlich für ein Rudel Mitmenschen, die lautstark über mangelnden Service schimpfen. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, denn normalerweise stehen dort geschätzt 150 Einkaufswagen herum. Normalerweise, wohlgemerkt. Beim Betreten des Ladens wird mir klar, wo sie sich momentan befinden: von Menschenhand geführt versuchen sie, sich ihren Weg durch die Gänge zu bahnen. Ein Unterfangen, welches in etwa ebenso erfolgreich ist wie der Versuch, eine Ölsardine aus der Mitte ihrer Kameraden unbeschadet herauszuholen. Kurz gesagt: der Laden ist brechend voll und die Kunden mehr oder weniger schlecht gelaunt. Hektisch und rücksichtslos packen sie palettenweise Getränke, Konserven und Dauerwürste in ihre Einkaufswagen, um sich über Pfingsten wenigstens eine minimale Überlebenschance zu sichern.
Fast bereue ich es, dass ich wegen meiner drei benötigten Teile den Supermarkt überhaupt betreten habe. An Flucht ist aber leider nicht zu denken, da ich eingepfercht zwischen Menschen, Einkaufswagen und Paletten mit dem Strom mitgerissen werde. Natürlich geht dies nicht ohne Blessuren ab, und nachdem mir zum 27. Mal ein Wagen in die Fersen gefahren wurde, befindet sich mein sonst recht sonniges Gemüt auf dem absoluten Tiefpunkt. Zum Glück erreiche ich das Kühlregal, bevor ich meine Träumereien über Amoklauf im Supermarkt in die Tat umsetzen kann. Voller Freude entdecke ich noch einen einzigen Joghurt, doch bevor ich ihn an mich nehmen kann, schnappt eine Hand nach ihm. Diese Hand gehört einem Herrn, der den Joghurtbecher schnell zu den 37 anderen in seinen Einkaufswagen stellt. Auf meinen empörten Blick hin bezüglich dieser Massen meint er nur: „…es sind doch Feiertage….“ Und lässt sich vom Strom der anderen Kunden davontragen. Ich leider auch, nur dummerweise in die falsche Richtung, so dass ich keinerlei Chancen habe, das Wurstregal zu erreichen.
Na gut, zwei von drei benötigten Artikeln sind also nicht zu bekommen. Bleibt nur noch Kaffee zu holen. Als sich die Menschenmasse, in deren Mitte ich eingeklemmt bin, endlich dem Kaffeeregal nähert, bleibt mir fast das Herz stehen: nur noch ein einsames Paket ist vorhanden. Jetzt entwickele ich mich meinerseits zu einem wahren Einkaufshooligan: ohne Rücksicht auf Verluste schiebe und schubse ich mich zum Regal hin, wo ich mich mit all meinem Gewicht auf das Kaffeepäckchen werfe. Es fest an meine Brust gedrückt haltend lasse ich mich weiter in Richtung Kasse schieben.
Weder die Tatsache, dass ich alleine dort 45 min warten muss, noch dass der gesamte Einkauf über zwei Stunden gedauert hat und ich trotzdem keine Wurstwaren und Milchprodukte habe, können mein Hochgefühl über den ergatterten Kaffee erschüttern. Lediglich die Bemerkung einer Frau hinter mir, die geschätzt Ware im Wert von 3000,-€ in ihrem Einkaufswagen hat, gibt mir zu denken. Mit einem vorwurfsvollen Blick auf mein kleines Kaffeepäckchen meint sie: „O mein Gott, und deswegen geht man vor den Feiertagen einkaufen? Die hält ja den ganzen Verkehr auf!“
Vielleicht hat sie Recht; vielleicht sollte ich mich das nächste Mal dem Trend anpassen und ebenfalls Hamsterkäufe in rauen Mengen tätigen… genau, das werde ich tun! Und zwar, wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt und man dementsprechend drei volle Tage nicht einkaufen gehen kann!!!
Kommentare (4)Nadine T. († 27) rief laut um Hilfe, als ihr Ex-Freund Thomas H. (30) immer wieder auf sie und ihre Freundin Anne G. († 27) einstach. Anne rannte schreiend 80 Meter weit über den Platz, ehe sie blutüberströmt zusammenbrach und starb. Warum hat ihr keiner der Camper geholfen?
Das kan ich euch sagen. Weil einfach niemand mehr den Arsch in der Hose hat und sich traut zu helfen. Alle haben angst, dass ihnen selber etwas passiert. Wir Menschen sind einfach EGOISTEN. Und das ist etwas, was mich persönlich tierisch ankotzt. Wir schauen lieber zu oder sogar weg wenn jemand in Not ist und unsere Hilfe benötigt. Wenn ich so etwas sehen würde, dann würde ich keine Sekunde an mich denken und daran was mir evtl. passieren könnte. ICH würde helfen. Ein Beispiel: Miguel und ich stehen an der Kasse eines Supermarktes und eine Frau drängelt sich einfach vor (ok da brodelt es innerlich bei mir aber ich sage nichts), diese Frau ist dann aber der Meinung, dass sie die Kassiererin blöd anmachen muss, weil es nun ausgerechnet ihre Zigaretten nicht mehr gibt. Miguel stand vor mir (sonst hätte ich eingegriffen) und meinte zu der Frau, dass sie doch die Kassiererin deswegen nicht anzumachen hat und das sie doch bitte ihren Ton etwas herabsetzen möchte. Und hat jeman anders vor gehabt etwas zu sagen? Nein natürlich nicht. Es hat keinen interessiert. Da fängt es doch schon an, keiner greift ein wenn eine Situation auftaucht die anders ist als man es gewohnt ist. Die Kassierer dürfe nicht unfreundlich werden, sonst sind sie ihren Job los und somit war sie dankbar das wir die Dame zurecht gewiesen haben. Würde jeder mal etwas weniger an sich denken, dann könnten solche Dinge wie auf dem Campingplatz in Cuxhaven auch anders ausgehen. Denkt da mal drüber nach…….
Hier noch der Bericht zum Nachlesen:
Knapp 70 Stellplätze hat der Campingplatz am Wernerwald, die Wohnwagen stehen dicht an dicht. Anne G. ist an knapp 20 Wagen vorbeigelaufen. Ihre lauten Schreie waren bis zu den benachbarten Hochhäusern zu hören. BILD wollte von den Campern wissen: Warum kam niemand zu Hilfe?
Ein Mann in einem grauen T-Shirt will uns des Platzes verweisen. Er wird laut, bedrängt uns, behauptet: „Ich war gar nicht da in der Nacht.“ Seine Frau hält ihn zurück, flüstert ihm zu: „Sag nichts, sag nichts.“ Zwei weitere Urlauber kommen dazu, bauen sich vor uns auf. Auch sie sind aufgebracht, werden beleidigend. Aber zu den Vorwürfen will sich niemand äußern. Der Urlauber einer Ferienwohnung: „Ich hörte die Schreie auch, rief die Polizei an. Der Weg von meiner Wohnung rüber zum Campingplatz ist viel zu weit, ich hätte nichts mehr ausrichten können. Aber warum hat denn dort unten keiner Zivilcourage gezeigt?“ Eine Polizeisprecherin: „Die Gemeinschaft will momentan für sich sein, möchte keine Öffentlichkeit.“ Man steht unter Schock, ist fassungslos, dass in der beschaulichen Touristenhochburg Cuxhaven so eine grausame Tat geschehen konnte. Auch wenn die Polizei nicht wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt – mit dem schlechten Gewissen müssen die Camper weiter leben …
(via)