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Archiv 'Nachrichten' Category

09 Aug, 2010
von B.Scheid

2009 hat der europäische Gerichtshof für Menschenrechte es für rechtswidrig erklärt, als gefährlich eingestufte Gewaltverbrecher nachträglich in Sicherheitsverwahrung zu nehmen. Aufgrund dieses Urteils wurden und werden auch in nächster Zukunft einige Straftäter, die ihre Strafe natürlich abgesessen haben, laut Gutachten aber höchstwahrscheinlich rückfällig werden, in die Freiheit entlassen. Die Resozialisierung oder gar die Heilung von Persönlichkeitsstörungen ist bei diesen Menschen also fehlgeschlagen.

CDU- Innenexperten (was immer das sein mag) haben dafür plädiert, Daten von solchen Sexualstraftätern in Zukunft über das Internet zu veröffentlichen. Dabei soll es sich dann um Namen, Adresse und ein Foto des Betroffenen handeln.

Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, der im Rundfunk zitiert wurde, hält dies nicht für sinnvoll.  Erstens sei die Rechtsgrundlage dafür nicht einwandfrei geklärt. Da muss ich ihm recht geben. Datenschutz ist ein sensibles Thema.

Zweitens würde dies die Arbeit der Polizei nicht erleichtern. Halloooo? Darum geht es doch wohl überhaupt nicht. Die Veröffentlichung soll ja wohl dazu dienen, dass die Bürger Bescheid wissen, wenn ein potentiell gefährlicher Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft wohnt, damit sie ihre Frauen und Kinder von ihm fernhalten können.

Es ist nicht Aufgabe von Bürgern und Politik, der Polizei ihre Arbeit zu erleichtern. Es ist Aufgabe der Polizei, die Bürger so weit es möglich ist zu schützen.

Ich habe mir noch keine feste Meinung darüber gebildet, ob ich die o.g. Lösung gut finde oder nicht. Wenn ein Sexualstraftäter, der vielleicht doch nie wieder rückfällig werden würde, auf diese Weise von der Gesellschaft für den Rest seines Lebens ausgegrenzt würde, dann widerspricht das meinem Rechtsempfinden. Das Gesetz sieht bestimmte Strafen für Verbrechen vor und wenn diese verbüßt sind, sollte man neu anfangen können.

Ich bin allerdings mit den Strafen nicht so ganz einverstanden. Nachgewiesene Kinderschänder sollte man meiner Meinung nach einfach kastrieren. Das klappt ja bei jedem Hund und Kater auch und kappt ihren Trieb.    

Wenn ein Thema von der Politik so kontrovers diskutiert wird,  wäre es vielleicht auch sinnvoll, eine Volksabstimmung darüber zu machen.

03 Aug, 2010
von B.Scheid

Zurzeit gibt es wieder mal viele Diskussionen über Hartz VI. Ich kenne einige Hartz VI Empfänger und habe mir auch schon oft Gedanken darüber gemacht, ob die Zahlungen gerecht sind oder nicht. Die meisten Betroffenen, die ich kenne, kommen nicht gut mit dem empfangenen Betrag aus. Es klingt immer ganz schön, dass die Miete bezahlt wird und der Rest vermeintlich zum Lebensunterhalt dient.

In der Realität ist es aber oft so, dass die Mietnebenkosten wie Heizung, Strom etc. höher sind als der Zuschuss dazu. Telefon braucht auch jeder und vielleicht auch einen Internetzugang, um sich über Stellenangebote zu informieren. Das wird nicht berücksichtigt. Diese Dinge kosten viel Geld, das dann an anderer Stelle fehlt. Und niemand wird allen Ernstes behaupten können, dass man darauf verzichten kann. Ohne Telefon ist man isoliert.

Was mich aber ärgert, ist die Tatsache, dass einige der Hartz VI Empfänger nichts tun, um selbst dafür zu sorgen, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben, indem sie beispielsweise einen Minijob annehmen. Der Grund, der dafür oft angegeben wird, ist die Freigrenze von 160 Euro, die man dazu verdienen darf, ohne dass etwas auf die ausgezahlte Summe angerechnet wird. Viele meinen, dass ihnen etwas weggenommen wird bzw. sie umsonst arbeiten, wenn der Lohn, der 160 Euro übersteigt, abgezogen wird. Sie vergessen dabei, dass sie für die finanzielle Hilfe, die sie quasi von ihren arbeitenden Mitbürgern erhalten, keine Anstrengung unternehmen müssen.

Genauso  verhält es sich, wenn alle möglichen Stellen von vornherein abgelehnt werden, weil das monatliche Einkommen dadurch nur geringfügig höher wäre als vorher. Selbst für sein Einkommen zu sorgen bedeutet auch, mehr eigene Entscheidungen treffen zu können und mehr Freiheit zu haben, was z.B. die Wahl der Wohnung betrifft. Hartz VI Empfängern wird die maximale Größe der Unterkunft und der Mietpreis vorgeschrieben.  

Wenn man vom Staat finanziell unabhängig ist, kann man auch Wohngemeinschaften bilden, ohne dem Jobcenter Rechenschaft ablegen zu müssen.

Darüber, wie unsere Behörden mit den Betroffenen umgehen, werde ich gesondert schreiben.

29 Jul, 2010
von B.Scheid

Die Diskussionen um die Schuldfrage bei der Loveparade in Duisburg nehmen kein Ende. Nachdem zunächst der Bürgermeister der Stadt aufs Korn genommen wurde, scheint man jetzt doch eher beim Veranstalter die Schuld zu suchen.  Die Polizei wäscht ihre Hände in Unschuld. Die Ordner haben falsch gehandelt und es waren überhaupt zu wenige da. Die eine Sperre hätte nicht aufgemacht werden dürfen, die andere nicht geschlossen.

Offenbar hat sich die Panik, die bei der Veranstaltung ausgebrochen ist, auf die Mitverantwortlichen und die Medien übertragen.

Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, so gehen auch da die Meinungen sehr auseinander.

Mich wundert sehr, dass ich noch niemanden gehört habe, der die Menschen für mitschuldig hält, die über die Opfer hinweggetrampelt sind oder rücksichtslos gedrückt und gedrängelt haben. Denn irgendwie müssen die Verletzungen, die teilweise zum Tod geführt haben, ja entstanden sein.

Im Fernsehen habe ich einige Interviews mit Augenzeugen gesehen, die völlig fassungslos über das waren, was dort passiert ist. Sie konnten nicht begreifen, dass man einfach über Personen hinwegtrampelt, die vor einem auf dem Boden liegen.

Die Medien zeigen gerne Bilder von friedlich wirkenden Feiernden bei der Loveparade. Bestimmt ist diese Veranstaltung auch als harmonisch und friedvoll geplant, wie der Name schon sagt, und die meisten Teilnehmer kamen in liebevoller Absicht. Aber dennoch waren mit Sicherheit viele dabei, die betrunken oder unter sonstigem Drogeneinfluss waren.

So berichtete mir jedenfalls eine Freundin, die am Sonnabend in Duisburg war, selbst viel trank und offen erzählte, dass das für viele Teilnehmer dazugehört. Wörtlich sagte sie: “Wir haben jede Menge Besoffene und Bekiffte getroffen.“

Die Medien drehen die Geschichte genauso hin, wie sie sie haben wollen.  Und mir ist das ziemlich unheimlich, wie durch dieses Anheizen der Gemüter der gesunde Menschenverstand bei vielen außer Kraft gesetzt und einseitig eine Meinung übernommen wird.

Ich hoffe, dass die Ursache des Unglücks geklärt wird, soweit das bei der Verkettung so vieler Umstände überhaupt möglich ist und dass die Opfer und ihre Angehörigen ihren Frieden finden.

Aber für alle anderen Interessierten wünsche ich mir, dass sie mal neutral darüber nachdenken, was dort geschah.

26 Jul, 2010
von B.Scheid

Am letzten Sonnabend kamen bei der Loveparade in Duisburg 19 Menschen ums Leben, über 200 wurden verletzt. Anscheinend war es zu einer Massenpanik gekommen, in deren Folge die Opfer niedergetrampelt oder erdrückt wurden.

Zurzeit wird fieberhaft nach Verantwortlichen gesucht, denen man die Schuld an dem Unglück in die Schuhe schieben kann.

An erster Stelle steht dabei die Stadt Duisburg, die offenbar die Genehmigung für die Veranstaltung gegeben hat, obwohl die Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden konnten, was z.B. den Zugang zum Gelände betraf.  Rücktrittsforderungen an den Bürgermeister werden gestellt. Sollte er an der Schlamperei beteiligt gewesen sein, dann frage ich mich, warum er überhaupt freiwillig zurücktreten muss und nicht stattdessen einfach wegen fahrlässiger Tötung angezeigt und entlassen wird?  Es scheint Mode zu sein, Politiker unter allen Umständen in ihrem Sessel zu belassen, bis sie ihn freiwillig räumen, egal, was sie sich zuschulden kommen lassen haben.

Ich will damit nicht ausdrücken, dass ich den Bürgermeister für schuldig an den Todesfällen halte. Genauso gut könnte man der Veranstalter heranziehen, der ja immerhin schon Erfahrung mit der Organisation von Loveparades hat und die kritischen  Punkte vielleicht besser hätte einschätzen sollen.  

Die Teilnehmer an der Veranstaltung waren ja auch nicht ferngesteuert. Sie sind freiwillig dorthin gefahren und eine Massenveranstaltung birgt immer Risiken, vor Allem, wenn man sich in das dichteste Getümmel begibt. Damit will ich nicht unbedingt sagen, dass das lebensgefährlich ist, aber es gab schon häufig Todesfälle bei Großveranstaltungen.

Eine Bekannte war bei der Loveparade in Duisburg. Ich fragte sie, ob sie etwas von dem Unglück mitbekommen hätte. Aber ihr und den Freunden, mit denen sie dort war, war das  Gedrängel zu groß und daher haben sie den Abend in einer Kneipe verbracht, wo die Stimmung auch gut war. Dort erfuhren sie erst von dem Drama, als Verwandte besorgt bei ihnen anriefen, um nachzufragen, ob sie unversehrt seien.

Die Loveparade in Zukunft nicht mehr unter diesem Namen zu veranstalten, weil der jetzt mit so traurigen Vorfällen in Verbindung gebracht würde,  halte ich für eine unüberlegte, aus Ratlosigkeit entstandene Idee des Veranstalters. Wahrscheinlich wollte er den Anschein erwecken, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen und auch damit seine Betroffenheit ausdrücken. Aber ungeschehen macht er damit nichts.

22 Jul, 2010
von B.Scheid

Berichte über den Missbrauch von Kindern während einer betreuten Ferienfreizeit auf der Insel Ameland in den Niederlanden gehen zurzeit durch alle Medien. Was Jugendliche dort offenbar Kindern und Gleichaltrigen angetan haben, ist meiner Meinung nach böseste Erniedrigung und Misshandlung. Wer es genau wissen möchte, kann sich auf n-tv.de informieren.

Gewalttaten und Kriminalität in Einrichtungen, die angeblich von ausgebildetem Personal betreut werden, sind keine Seltenheit. Eine Bekannte von mir verbrachte ein Jahr in einem Internat des CJD. Sie erzählte mir von Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch, die ab und zu bei ihren Mitschülern zu Krankenhausaufenthalten führten. Ein Junge hatte Kinderpornographie im Zimmer, die er auf seinem Videorecorder abspielte. Ich war mehrmals versucht, mich bei dem Internat zu beschweren, da ich den Eindruck hatte, niemand kümmere sich um diese Missstände. Angeblich sollten die Betreuer aber in Kenntnis gesetzt worden sein. Ob sie etwas unternahmen, weiß ich nicht. Die Geschichten über Jungen, die sich Tabletten durch die Nase schnieften oder Mädchen, die bewußtlos mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert wurden, hörten jedenfalls nicht auf.  Meine Bekannte verließ das Internat, nachdem sie von einem ihrer Mitbewohner vergewaltigt worden war. Dies geschah nachts in einer der Wohneinheiten. Von einer Anzeige sah das Opfer ab. Die Internatsleitung wurde jedoch informiert. Meines Wissens wurde der Täter nicht zur Rechenschaft gezogen.

Es ist ein wirklicher Skandal, dass derartige Vorfälle in Einrichtungen passieren, die angeblich betreut werden. Was sind das für Betreuer, die nichts von dem merken oder merken wollen, was unter ihrer Aufsicht passiert?  Wenn die Politik reagiert, indem sie bessere Ausbildungen für das Personal solcher Institutionen fordert, zeigt das doch nur Ahnungslosigkeit. Ein Bischof hat ja wohl mit einem Theologiestudium eine vermeintlich hochwertige Qualifikation für Menschlichkeit und Nächstenliebe erlangt und ist deshalb dennoch nicht davor gefeit, Kinder sexuell zu misshandeln.

Irgendetwas stimmt wohl mit unserer Gesellschaft nicht, wenn Menschen ihren Spaß daran haben, anderen so etwas anzutun wie oben genannt.

Man kann nicht Impfungen gegen Hepatitis B bei Kindern empfehlen, weil die Gewalt an Schulen so zugenommen hat, dass die Gefahr einer Ansteckung durch offene Wunden größer geworden ist. Damit hat man das Übel nicht an der Wurzel gepackt. Vielleicht sollte lieber an Schulen mehr Wert darauf gelegt werden, Toleranz und friedliches Miteinander zu üben.

20 Jul, 2010
von B.Scheid

Wer im Ausland einen Verstoß gegen die Verkehrsregeln begeht, konnte bisher dafür in Deutschland nicht bestraft werden. Geldbußen, die vor Ort verhängt wurden, mussten schon sofort beglichen werden. Aber für Falschparken oder zu schnelles Fahren, dass nicht an Ort und Stelle abgerechnet wurde, wurde meistens nichts bezahlt, weil über die Grenzen der bereisten Länder hinaus der Übeltäter nicht verfolgt werden konnte.

Nur mit Österreich hat Deutschland ein Abkommen, dass unserem Nachbarland die Weiterverfolgung erlaubt. Wir haben dies letztes Jahr erfahren, als wir beim Befahren eines schraffierten Fahrbahnteiles geblitzt wurden und dafür stolze 54€ bezahlen mussten.

Ab Oktober 2010 wird sich dieser Zustand aber ändern. Ab dann werden sich die EU- Grenzen auch für ausländische Behörden öffnen, die Geldbeträge für Ordnungswidrigkeiten eintreiben. Es ist vorgesehen, dass der Betrag dabei 70€ überschreiten muss. Da viele Verkehrssünden im Ausland mit einer deutlich höheren Strafe belegt sind als hierzulande, kommt man da aber schnell drüber.

In Spanien kann eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 20km/h bis zu 300€ kosten, das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung 200€. In Italien kann Letzteres sogar bis zu über 600€ teuer werden. In Griechenland sollte man sich gut überlegen, ob man im Überholverbot überholt. Dort könnten 300€ und mehr dafür fällig werden. Auch in Norwegen sind die Bußgelder sehr hoch. Dreistellige Beträge sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Dagegen kommen mir die Knöllchen in Deutschland geradezu preiswert vor.

Sollte die EU es allerdings irgendwann schaffen, die Bußgeldkataloge ihrer Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen, dann wird es wahrscheinlich in Zukunft ratsam sein, sich ganz strikt an die Vorschriften zu halten.

Die Höhe einer Monatsmiete dafür zu berappen, dass man den Fuß nicht vom Gas genommen hat, ist schon ziemlich bitter.

Was man als Autofahrer in Österreich unbedingt noch wissen sollte: Dort ist man automatisch Organspender. Wer das nicht sein möchte, sollte ein entsprechendes Schreiben mit sich führen.

11 Jul, 2010
von B.Scheid

Diese bzw. eine ähnliche Schlagzeile stach mir ins Auge, als ich am Freitag Einkaufen war. Es war die Titelseite der Bildzeitung, die ich gesehen hatte. Da ich ein Fan unseres Bundestrainers bin, freute ich mich darüber.

Als ich in den Sportberichten des Fernsehens nichts weiter darüber vernahm, sondern in den Interviews weiterhin fröhlich von den Reportern nachgefragt und spekuliert wurde, kam mir der Gedanke, dass ich tatsächlich auf Deutschlands Boulevardblatt Nummer eins reingefallen war. Ich hatte den Artikel zu der Überschrift allerdings nicht gelesen.Vielleicht ging es gar nicht um Joachim Löws Zukunft als Bundestrainer. Möglicherweise bleibt er noch ein paar Tage in Südafrika, um Urlaub zu machen. Oder er bleibt bei seiner Marke für Kaschmirpullover, obwohl sie letztendlich nicht das Glück brachten, den Weltmeistertitel zu erringen. Oder er bleibt dabei, die Pullover ungewaschen zu tragen, weil seine Frau sich darüber beschwert hat, dass sie zuviel Handwäsche dadurch hat.

Vielleicht bezieht sich der Artikel aber doch auf den Vertrag mit dem DFB.

Sollte sich die Bildzeitung heimlich ein Gegenstück zu Orakel Paul zugelegt haben? Und dieser Oktopus ist zwar nicht in der Lage, den Sieger eines Fussballspiels vorauszusagen, aber den zukünftigen Bundestrainer und andere Personalentscheidungen. Wahrscheinlich wurde in den einen Behälter mit Muschelfleisch ein Foto von Joachim Löw getan und in den anderen eins von Matthias Sammer.  

Und beim nächsten Mal gibt es dann die Wahl zwischen Philip Lahm und Michael Ballack. Ich bin schon ganz gespannt.

Wie die Medien mit der Fussball WM 2010 umgegangen sind, finde ich teilweise sehr traurig. Ständig stellten Themen wie die Kapitäns-und Trainerfrage die sportlichen Leistungen unserer Elf etwas in den Hintergrund. Gestern abend z.B. nach dem schönen Spiel um den dritten Platz versuchte Waldemar Hartmann, das Augenmerk auf die Aussage Bastian Schweinsteigers zu Lahms Wunsch, auch nach der WM Mannschaftsführer zu bleiben, zu lenken. Er wollte offensichtlich auf Differenzen in der Mannschaft anspielen. Glücklicherweise gingen seine Gäste da nicht so recht drauf ein.

Ich finde es völlig okay, wenn Spieler unserer Nationalelf unterschiedliche Meinungen vertreten. Da gibt es glücklicherweise noch keinen Fraktionszwang.

Insgesamt fand ich die WM schön; vor Allem, weil Deutschland oft so attraktiv gespielt hat. Da kann sich manch anderes Team eine Scheibe von abschneiden.

06 Jul, 2010
von B.Scheid

In Bayern hat ein Volksentscheid jetzt dazu geführt, dass das Gesetz zum Nichtraucherschutz wieder verschärft wird. In Zukunft wird es in den Kneipen und Discos dort keine Raucherräume mehr geben, lediglich auf geschlossenen Gesellschaften darf der Wirt das Rauchen zulassen. Wie durch Zauber bildet das Oktoberfest dieses Jahr eine Ausnahme; dort gilt das Verbot erst ab 2011, solange haben die Gastronomiebetreiber Zeit, „ihre Zelte umzustellen“. Es scheint sehr lange zu dauern, Nichtraucherschilder aufzuhängen.

Auf den gemeinen Wirt anderer Gaststätten wird nicht so viel Rücksicht genommen.

Ich bin ein Befürworter von Volksentscheiden und wünsche mir, dass diese in allen deutschen Bundesländern möglich sind.

Aber ich glaube, dass es viel wichtigere Probleme gibt, um die sich die Initiatoren von Volksbegehren kümmern sollten. Die Maßlosigkeit im Umgang mit unseren Steuergeldern durch unsere Politiker zum Beispiel. Oder der laxe Umgang mit dem Datenschutz von so mancher staatlicher Behörde.

Wenn es um den Schutz der Gesundheit geht, fallen mir ganz andere Dinge ein, die dazu beitragen könnten. Betrachtet man sich mal die Nahrungsmittel, die so auf dem Markt sind, dann gibt es viele, deren Dauerverzehr zunächst Gewichtsprobleme verursacht, die dann zu schweren Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen führen können.

Das Gleiche gilt für Getränke, die nicht mal hochprozentig Alkohol enthalten müssen, sondern die durch ihren Gehalt an künstlichen Farb- und Geschmacksstoffen auf Dauer den Stoffwechsel schädigen können. Und oftmals sind auf den Etiketten auch noch Zusätze zu lesen, die stärkende oder heilende Wirkung verheissen- wie Wellness, Balance oder Zusatz von allerlei Vitaminen, die wahrscheinlich gar nicht die Wirkung haben wie in natürlicher Form aufgenommene.

Man könnte natürlich einwenden, dass die Menschen ja nicht gezwungen sind, dieses Zeug zu essen oder zu trinken. Das ist völlig richtig. Aber es ist auch kein Nichtraucher gezwungen in eine Gaststätte zu gehen, in der geraucht wird.

Ich finde, es ist eine Frechheit, einen Teil seiner Mitmenschen dermaßen zu bevormunden. Von den Politikern war es schon unverschämt, von den Mitbürgern ist es fast noch schlimmer.

01 Jul, 2010
von B.Scheid

„Mama, warum geben die Leute dem Herrn im Fernsehen so viele Blumensträuße?“

„Weil er gerade zum Bundespräsidenten von Deutschland gewählt wurde, mein Kind.“

„Und klatschen die alle und schenken ihm Blumen, weil sie sich so darüber freuen?“

„Nun ja, einige freuen sich und einige nicht.“

„Und warum klatschen die dann trotzdem und schenken ihm was?“

„Weil sie gute Miene zum bösen Spiel machen und weil sie froh sind, dass sie endlich Feierabend haben und in ihr Hotel fahren können.“

„Was heißt denn „gute Miene zum bösen Spiel machen“- was haben die denn gespielt?“

„Das Spiel heißt: wir wählen demokratisch unseren neuen Bundespräsidenten.“

„Demokratisch…?“

„Demokratisch soll bedeuten, dass der Wille des Volkes geschieht. Aber leider funktioniert das nicht immer.“

„Hat es heute funktioniert?“

„Wie man es nimmt. Natürlich haben die Politiker den Präsidenten gewählt, die vorher vom Volk dafür bestimmt wurden. Aber es scheint so, als ob sie sich die Meinungsumfragen zur Wahl nicht angeschaut hätten. Dann hätten sie nämlich bemerken können, dass die Mehrheit zumindest der befragten Menschen gerne einen anderen Mann auf dem Posten gesehen hätten.“

„Und trotzdem dürfen sie den wählen, den sie wollen? Das finde ich nicht gerecht, Mama.“

„Sie müssen sich auch nach ihren Parteichefs richten. Die sagen ihnen, wen sie wählen müssen. Da ist es dann gar nicht wichtig, was das Volk will.“   

„Aber das Volk hat doch gesagt, wer Politiker sein soll und regieren darf, oder nicht? Dann muss doch eigentlich auch der Richtige für das Volk gewählt worden sein. Wenn wir unseren Klassensprecher wählen, dann wird es auch der, den die Meisten haben wollen.“

„Ja. Aber in Eurer Klasse wählen auch alle mit. Bis auf die vielleicht, die krank sind. In Deutschland wählen nicht alle Menschen, die das dürften.“

„Das ist ja doof. Warum machen die das nicht?“

„Viele haben sich schon zu oft über die Politik geärgert oder sie glauben, dass sie mit ihrer Stimme sowieso nichts beeinflussen können.“

„Na ja, wenn ich nicht wähle, dann kann ich ja auch nicht den Klassensprecher kriegen, den ich haben will…- aber Mama, sag doch mal. Der Mann, der die Blumen bekommen hat, den habe ich schon mal im Fernsehen gesehen. Ist der berühmt?“

„Der ist Ministerpräsident von Niedersachsen. Das ist ein wichtiges Amt und deshalb sieht man ihn öfter im Fernsehen.“

„Wau, und nun ist er auch noch Präsident. Schafft er das denn Alles?“

„Nein, das darf er auch gar nicht. Beides gleichzeitig zu sein, ist sogar verboten. Das steht im höchsten Gesetz unseres Landes. Ach, ich höre gerade, er ist von seinem Amt als Ministerpräsident zurückgetreten. Na, das war aber höchste Eisenbahn. Da hätte er sich beinah strafbar gemacht.“

„Kevin von nebenan hat auch erst mit Julia Schluss gemacht, als Maike schon ja gesagt hatte…Mach doch mal wieder lauter. Ich möchte hören, was der Neue sagt. Nett lächeln tut er ja.“

(Wulff hält seine Dankesrede.)

„Mama, warum hat er gesagt: Gott schütze unser Land?“

„Weil er weiß, dass das jetzt besonders nötig ist…“

15 Jun, 2010
von B.Scheid

Unsere Elf hat gestern eine wunderbare Vorstellung abgegeben. Es war eine Freude das Spiel gegen Australien anzusehen. Die Tore waren klasse, das Spiel klug und schnell.

Einzig der Schiedsrichter störte etwas. Er wird offensichtlich aus gutem Grund „Kartenfreund“ genannt. Für meinen Geschmack war die rote Karte überflüssig; über die gelben kann man streiten. Eigentlich mag ich es auch nicht, wenn ein Spiel durch Schwalben und viele Fouls gestört wird. Aber so übertrieben Karten zu verteilen ist auch nicht schön.

Für ein Spiel der italienischen Mannschaft würde ich mir so einen Unparteiischen aber schon mal wünschen. Da könnte es auf dem Feld leer werden.

Die Ahndung von Verstößen im Fußball wurde übrigens 1970 bei der WM  erstmals eingesetzt, um den Schiedsrichtern eine sprachunabhängige, von allen Spielern zu verstehende Ausdrucksmöglichkeit zu geben. Diese lehnt sich an die Rot-Gelb-Schaltung der Ampel an. Die erste rote Karte wurde jedoch erst bei der WM 1974 einem Spieler gezeigt.

Typisch deutsch war mal wieder die Bemerkung von irgendjemandem  im TV nach dem Spiel, die Australier hätten ja schlecht gespielt und die Deutschen deshalb so hoch gewinnen können. Uneingeschränkte Freude und Lob für so eine tolle Leistung sind hierzulande leider kaum möglich. Es gehört wohl zu unserer Mentalität, dass mit Anerkennung extrem geizig umgegangen werden muß. Da läßt noch der Sparwahn der Nachkriegszeit grüßen.

Heute hörte ich im Fernsehen, dass die deutsche Mannschaft im Vorteil gegenüber anderen Teams sei, weil sie schon länger mit dem bei der WM eingesetzten Fußballtypen spiele. Wenn ich mich nicht irre, kam diese Kritik aus dem englischen Lager. Dort wurde wohl übersehen, dass man die betreffenden Bälle frei im Handel erwerben kann und somit jede Nation sich damit hätte vorbereiten können.

Aber dieser Grund für das bessere Spiel der deutschen Mannschaft ist immerhin mal neu.

In der Regel hat ja der Trainer schuld an Niederlagen. Jetzt könnte auch der Ball der Übeltäter gewesen sein.

Heute stellt übrigens adidas den neuen Ball vor, der ab demnächst in der Bundesliga gespielt wird. Das werde ich mir nicht entgehen lassen, wenn Beckenbauer (oder ein beliebiger anderer Promi) vor die Kameras tritt und sagt:“Darf ich vorstellen- der Ball…“ Und dann vielleicht zum Ball: „Darf ich Dir vorstellen, Ball– das Publikum…“

 

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