SegaPro

Wir bringen frischen Wind

Werbung

Kategorien

 

Archiv 'Kino & TV' Category

31 Jan, 2012
von Elietta Becker

In der Zeit zwischen der Freilassung Nelson Mandelas (1990) bis hin zu seiner Wahl zum Präsidenten Südafrikas (1994) machten vier Kriegsreporter ganz besonders von sich reden: Kevin Carter, Greg Marinovich, Ken Osterbroock (alle Südafrikaner) sowie der Portugiese Joao Silva. Sie waren während der Apartheid besonders in den Townships Südafrikas aktiv und erlangten dadurch nicht nur weltweite Aufmerksamkeit durch ihre Fotos, sondern auch den Spitznamen „Bang Bang Club“. Dieser Name stammt aus der Feder des südafrikanischen Magazines „Living“ und sollte ursprünglich „Bang Bang Paparazzi“ lauten, was den Fotografen aber nicht behagte. Schließlich sahen sie sich nicht als Skandalreporter, sondern wollten nur die Realität in ihren Bildern wiedergeben, was ihnen auch genial gelang. Zwei von ihnen, Marinovich und Carter, erhielten für ihre Werke den Pulitzer-Preis.

Ansonsten waren sie nicht gerade vom Glück verfolgt: Osterbroock wurde am 11.04.1994 beim Kampf zwischen nationalen Friedenstruppen und Unterstützern des African national Congress erschossen. Marinovich überlebte zwar, wurde aber schwer verletzt. Carter kam mit den Geschehnissen und Erlebnissen des Krieges nicht klar und beging Selbstmord. Im Jahre 2010 trat Silva auf eine Landmine in Kandahar; beide Beine wurden ihm weggefetzt.

Der Regisseur Steven Silver beschäftigt sich in seinem 2011 gedrehten Film „The Bang Bang Club“ mit der Geschichte eben dieser vier Männer. Im Mittelpunkt der Story steht die Zerrissenheit der Kriegsreporter, deren Leben ständig in Gefahr ist und die sich zwischen Angst und Adrenalinkick bewegen. Um all das Schreckliche zu verdrängen, greifen sie zu Alkohol, Frauen oder Drogen – doch die Bilder verschwinden nicht aus ihrem Kopf. Depressionen bis hin zu Selbstmorden sind die Folge…

Die Kritiker bewerteten diesen Film zu 78 % positiv. Anstoß nahmen sie lediglich an der Paradoxität der Thematik der Kriegsreporter im Allgemeinen: Pulitzerpreise für Paparazzi? Sie halten es für kontraproduktiv, „Schaulust zu belohnen“ – obwohl Kriegsfotografie wohl kaum als solche zu bezeichnen ist…Vielmehr dreht es sich dabei um die Fragen, die jeden Kriegsreporter beschäftigen: wie viel Menschlichkeit ist erlaubt? Wie viel Gefühl darf ich selber zulassen, ohne daran zu zerbrechen? Und genau diese Themen beschäftigen die Zuschauer auch nach den 108 Minuten Film weiter – mich jedenfalls hat es beschäftigt, und ich halte „The Bang Bang Club“ für einen der anrührendsten und emotionalsten Filme der letzten Jahre. Übrigens ohne kitschig zu sein. Einfach ein ganz toll gemachter, bewegender realistischer Film, den ich Euch sehr empfehlen möchte.

25 Jan, 2012
von Elietta Becker

Einer der beeindruckendsten Filme, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe, ist „Suicide Club“. Das 2010 entstandene Werk war die Abschlussarbeit des deutschen Studenten Olaf Saumer an der Kunsthochschule Kassel, für welche er gerade mal 50.000,- € Produktionskosten benötigte.
Die Story ist eigentlich ziemlich einfach, aber dennoch genial ausgedacht: fünf sich vollkommen Fremde verabreden sich in den frühen Morgenstunden auf dem Dach eines Hochhauses, um sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Auf den ersten Blick sind diese Charaktere völlig unterschiedlich: der Verklemmte, der Verwegene, die Ausgeflippte, der Schüchterne und die Einsame; sie teilen nur eines miteinander: den Wunsch zu sterben.
Ihr Plan, so einfach er auch klingen mag, ist nicht ganz so einfach in die Tat umzusetzen, wie man annehmen könnte. Äußere Umstände zwingen die fünf Protagonisten immer wieder zum Abbruch ihres Vorhabens, bis es schließlich heller Tag und somit die Gelegenheit zur Durchführung des Plans erst einmal verpasst ist. Also beschließen die Fünf, den Tag gemeinsam zu verbringen und dann am Abend in den Tod zu springen…
Natürlich ist es so, dass sich diese wildfremden Menschen näher kommen und Stück für Stück mehr über die anderen erfahren…
Mich persönlich wundert es nicht, dass dieser Film von Experten durchweg positiv bewertet worden ist und mehrere Preise gewonnen hat. Anrührend, ohne viel Trara, aber mit ganz viel Emotionen gewährt Olaf Saumer dem Zuschauer Einblick in die Seelen der fünf Lebensmüden. Bewegend erzählt und dargestellt, ist diese Low-Budget-Produktion in meinen Augen ein richtiges Meisterwerk. Trotz der eigentlich ernsten Thematik kommt auch der Humor nicht zu kurz, und je länger man den Film anschaut, desto mehr fühlt man sich mit den Protagonisten verbunden und hofft, dass es vielleicht doch noch eine Alternative zu deren Freitod gibt (zumindest erging es mir so). Leider kann ich inhaltlich nicht mehr verraten, sonst erlischt ja die ganze Spannung… Auf jeden Fall empfehle ich Euch sehr, Euch „Suicide Club“ einmal anzusehen – Ihr werdet es sicher nicht bereuen.

24 Jan, 2012
von Elietta Becker

So, die Hälfte des Dschungelcamps 2011 haben wir überstanden! Ganz besonders faszinierend finde ich die Mühe, die sich RTL macht, um Jahr für Jahr die bedeutungslosesten und abgetakeltesten Menschen (ich weigere mich entschieden, diese als „Stars“ zu bezeichnen) zusammenzusuchen und in den australischen Dschungel zu verfrachten. Dass diese gerne zusagen, kann ich in den allermeisten Fällen verstehen. Geldsorgen (Ailton), Hunger nach Aufmerksamkeit (Kim) oder der Wunsch, die Karriere voranzutreiben (Lopes) sind gute Gründe, sich vor laufenden Kameras lächerlich zu machen. Und nebenbei gesagt: Die Aufwandentschädigung für die Teilnahme ist auch nicht zu verachten…
Das sind also erklärliche Gründe. Warum aber macht sich eine Brigitte Nielsen zum Affen? Ich mag diese Frau sehr und finde es eigentlich total schade, dass sie sich für solch ein billiges Sendeformat hergibt. Zwar hat sie bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie vor nichts Peinlichem zurückschreckt (man denke nur an die Schönheits-OP vor laufender Kamera), aber dennoch finde ich sie viel zu schade fürs Dschungelcamp.
Kein bisschen überraschend finde ich hingegen die Tatsache, dass Mikaela nun diese Gelegenheit nutzen möchte, um sich und ihren Körper zu präsentieren. Diverse vorangegangene Versuche diesbezüglich waren ja mehr oder weniger gescheitert („Germanys next Top Model“, „Deutschland sucht das Supertalent“, „Promi-Diner“). Nun also: neue Show – neues Glück. Jetzt läuft das Mädchen den ganzen Tag mehr oder weniger unbekleidet herum, um auf sich aufmerksam zu machen. Mich persönlich stört das nicht, zumal sie ja keinen abstoßenden Anblick bietet, aber ihre Mitcamper, die sie rund um die Uhr so sehen müssen, sind mehr als genervt von diesem Nudistentum… Schade um so ein schönes Mädchen, das es meiner Meinung nach eigentlich nicht nötig hätte, sich derart in Szene setzen zu müssen (anders als solche Nonames wir Kim oder Lopez).
Und was wollte diese Frau Leis dort? Ich kenne sie nicht, aber was ich von ihr gesehen und gehört hatte, ging mir furchtbar auf die Nerven. Kein Verlust also, dass sie nicht mehr unter den Campern weilt… Ebenso wenig wie der Herr Lopez; hat er jemals etwas anderes gemacht außer geflennt und gewinselt? Ich meine, inzwischen weiß man als Kandidat, was einen im Dschungel erwartet, da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es etwas härter ist als in einem gemütlichen Daunenbettchen… Überhaupt finde ich, dass in dieser Staffel die Kandidaten extrem viel am Jammern sind (deswegen auch die Bezeichnung „Memmencamp“, die im Übrigen nicht meiner Feder entstammt). Der eine will einfach nur weg, der andere will weg, weil er nicht genug Zigaretten hat, die Dritte sagt vorsorglich gar nichts,…
Die eigentlichen (und einzigen!!!) Stars dieser Sendung sind meiner Meinung nach Dirk Bach und Sonja Zietlow. Immer witzig, wortgewandt und unterhaltsam – so müssen Stars sein! Bestimmt nicht zuletzt wegen den beiden Moderatoren ist „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ zu einem richtigen Kult geworden; in manchen Städten gibt es sogar schon Public Viewings…
Ich denke, solange die Zuschauer Freude dabei empfinden, unseren Mitmenschen (und seien es auch nur Z-Promis) bei Peinlichkeiten zuzuschauen, wird das Dschungelcamp auch in den kommenden Jahren seine Pforten öffnen… Schade nur um die vielen Käfer, Maden und Kakerlaken, die jedes Mal der Sensationslust der Zuschauer zum Opfer fallen…

16 Jan, 2012
von Elietta Becker

Vergangene Woche habe ich „Final Destination 5“ gesehen – nicht wirklich ein großer Unterschied zu den vorherigen vier Teilen, die seit dem Jahr 2000 gedreht werden. Die Todesszenen sind zwar länger als gewöhnlich, doch die Story an sich ähnelt sehr den bereits bekannten: ein Jugendlicher sieht ein großes Unglück voraus, bei dem diverse Menschen sterben. Es gelingt ihm zwar, dieses Unglück zu umgehen und somit die Leute zu retten, doch die Freude darüber währt nur kurz: der Tod geht keine Kompromisse ein und holt sich nach und nach jeden der zunächst Überlebenden.
Genau wie die ersten vier Teile erhielt „Final Destination 5“ unterschiedliche Kritiken: von „grottenschlecht“ bis hin zu „gelungen“. Ich persönlich finde, wenn man das Genre „Horrorfilm“ zugrunde legt, ist dieser Film sehr gut gemacht. Was erwarten wir denn von Horror? Blut, Gemetzel, Übernatürliches – all dies wird hier perfekt umgesetzt, und die dazugehörige Story ist weitaus weniger flach als bei so manch anderen Filmen dieses Genres (und dazu teilweise sogar etwas witzig). Was mich fasziniert, ist die Vielfalt an Todesarten, die diese Filmreihe aufzeigt. Zwar überspitzt dargestellt, aber letzten Endes handelt es sich um Unfälle, wie sie tagtäglich geschehen können. Interessant wird die Geschichte durch die Anhäufung dieser Todesfälle und deren (teilweise sehr blutige) filmische Umsetzung.
Das Einzige, was mir persönlich bei „Final Destination 5“ etwas fehlt, ist der Überraschungseffekt. Als Zuschauer weiß man inzwischen, was einen bei Filmen dieser Reihe erwartet. Von daher wäre es schön, beim nächsten Teil mal einige Veränderungen einzubauen, um auch weiterhin die Zuschauer fesseln zu können. Trotzdem ein – für einen Horrorfilm – sehr guter und empfehlenswerter Film.

05 Jan, 2012
von Elietta Becker

Gehört Ihr auch zu den Menschen, für die es einfach zu Silvester dazu gehört, „Dinner for one“ zu gucken? Auf mehreren Sendern läuft seit Jahrzehnten dieser Sketch, und ebenso erfolgreich wie in Deutschland ist er in diversen anderen Ländern, wie beispielsweise Skandinavien, Australien, Südafrika und Luxemburg.

Erstaunlicherweise sind die Engländer, aus deren Land sowohl der Autor Lauri Wylie als auch der Hauptdarsteller Freddie Frinton stammen, nicht besonders von diesem Sketch angetan – dabei müssten sie sich doch angesichts des britischen Humors auf dem Boden wälzen, möchte man meinen…Doch dem ist nicht so. Das 18-minütige Dinner ringt ihnen ein müdes Lächeln ab – mehr nicht. Bei uns in Deutschland hingegen wird „Dinner for one oder der 90. Geburtstag“ seit 1963 ausgestrahlt, und es finden sich immer noch genug Zuschauer für dieses Event.

Ich persönlich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Es gibt wirklich nicht eine Sequenz in diesen 18 Minuten, die ich auch nur halbwegs amüsant finde, obwohl ich im Allgemeinen recht leicht zu belustigen bin. Oder findet Ihr es beispielsweise witzig, wenn ein Angetrunkener stolpert? Mit dieser Einstellung stehe ich aber wohl nicht alleine da. Vor einigen Tagen habe ich ein Interview mit dem Bremer Lachforscher (ja, so etwas gibt es wirklich!) Professor Rainer Stollmann gelesen, der der Überzeugung ist, dass die Fans von „Dinner for one“ langsam aussterben werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Generation, die darüber lachen konnte, gibt es bald nicht mehr“, so seine These. Wenn man bedenkt, dass der Sketch in den 1920-er Jahren geschrieben wurde, also vor fast einem Jahrhundert, ist man sehr geneigt, ihm zuzustimmen. Wie alles im Laufe der Zeit wandelt sich auch der Humor; da braucht man gar nicht so weit zurück zu schauen. Komödianten wie Otto Waalkes, Mike Krüger & Co, die vor 20, 30 Jahren ein Riesenpublikum zum Brüllen brachten, sind heute schon kaum mehr als eine schöne Erinnerung. Ähnlich wird es auch „Dinner for one“ ergehen, einem von Kritikern als „mittelmäßig“ eingestuften Sketch. Bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen der Fernsehsender dies auch so sehen und diesen Sketch aus dem Programm nehmen werden – oder ob es auch in den kommenden Jahren heißen wird:“ The same procedure as every year“…

02 Jan, 2012
von Elietta Becker

Wisst Ihr, was ein „Whistleblower“ ist? Jemand, der interne Missstände offenlegt. Um genau diese Problematik geht es in dem gleichnamigen Film der Regisseurin Larysa Kondracki aus dem Jahr 2011, der wahre Begebenheiten aus dem Leben der Polizistin Kathryn Bolkovac schildert.

Bolkovac kam in den späten 1990-er Jahren nach Bosnien, um für den privaten Militärdienstleister Dyn Corp die örtliche Polizei zu unterstützen. Im Rahmen dieser UN-Friedensmission, in der sie als Untersuchungsbeauftragte für Menschenrechte tätig war, stieß sie auf einen Sexskandal, an dem selbst die obersten reihen der UN beteiligt waren: Mädchen (größtenteils aus Osteuropa) wurden mit Gewalt oder falschen Versprechungen ins ehemalige Jugoslawien verschleppt, wie Vieh gehalten und zur Prostitution gezwungen. Die Tatsache, dass so viele Soldaten und Polizisten zu den Kunden dieser Zwangsprostituierten zählten, veranlassten Bolkovac zu immer intensiveren Nachforschungen. Ihre Vorgesetzten sahen dies natürlich nicht gerne, was schließlich zu Bolkovacs Entlassung führte. Die Polizistin klagte gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber Dyn Corp wegen ungerechtfertigter Entlassung wegen Whistleblowing; 2002 wurde zu ihren Gunsten entschieden. Leider brachte ihr dieses Urteil beruflich keinerlei Vorteile – sie bekam nie wieder eine Anstellung bei der UN.

Die Themen „Frauenhandel“ und „Zwangsprostitution“ sind leider keine fiktiven. Schätzungen zufolge werden jährlich circa 200.000 Frauen aus Osteuropa verschleppt und als Sexsklavinnen missbraucht. Die Täter, die meist aus den Reihen der UN stammen, haben aufgrund ihrer Immunität kaum Strafen zu befürchten. Wenn die Armee von ihren Verbrechen erfährt, werden die Soldaten beziehungsweise Angestellten suspendiert, entlassen und nach Hause geschickt, aber für ihre Greueltaten nicht weiter belangt. Eine Ungerechtigkeit, gegen die Kathryn Balkovac (übrigens genial verkörpert von Rachel Weisz) ankämpfen wollte…

Wenn Ihr ein hochinteressantes, authentisches Drama mit Starbesetzung sehen möchtet, welches quasi bis zur letzten Minute spannend ist, kann ich Euch den Film „Whistleblower“ sehr empfehlen. Er ist nicht nur für den Moment interessant, sondern regt auch nachhaltig zum Nachdenken an. Keine leichte Kost, sondern eher aufwühlend und verstörend – aber klasse gemsacht.

19 Dez, 2011
von Elietta Becker

Vergangenen Samstag fand das Finale zur RTL-Show „Das Supertalent 2011“ statt. Im Vergleich zum Vorjahr (8,23 Millionen Zuschauer) interessierten sich mit 6,45 Millionen Zuschauern verhältnismäßig wenige Menschen für den Ausgang der 5. Staffel dieses Sendeformats. Sieger und somit glücklicher Besitzer wurde der 27-jährige Panflötenstraßenmusiker Leo Santillan Rojas, der auf einem Pferd auf die Bühne ritt. Rojas, ein Indianer aus Ecuador, lebt seit 14 Jahren in Deutschland und bestreitet hier seinen Lebensunterhalt mit Straßenmusik:

Seine „Kunst“ begeisterte das Publikum und die Jury offenbar so sehr, dass sie ihn von den insgesamt 42.000 Kandidaten als den besten ansahen. Naja, über Geschmack lässt sich bekanntermaßen streiten… Sicher ist er sympathisch, und ich denke, dass er und seine Familie das Geld auch sehr gut gebrauchen können (wer könnte das nicht?!?), aber ich fürchte fast, dass gerade die häufige Erwähnung seiner Armut mit ein Grund gewesen ist, dass die Zuschauer für ihn gestimmt haben. Denn – ganz ehrlich – Musik wie diese begleitet einen bei fast jedem Einkauf im Supermarkt, im Flughafenterminal oder in der Warteschleife einer Telefonhotline; also nichts wirklich Außergewöhnliches.

Mal sehen, wie lange dieses „Talent“ Schlagzeilen machen wird.  Um die Sieger der anderen Staffeln ist es ja auch eher ruhig…

  • Ricardo Marinello, der Sieger der ersten Staffel 2007, veröffentlichte ein Album direkt nach seinem Sieg. Platz 22 der deutschen Charts – danach verschwand er aus der Öffentlichkeit.
  • Michael Hirte, der Mundharmonikaspieler, gewann 2008 die zweite Staffel. Bis heute veröffentlichte er fünf Alben, war zweimal für den Echo nominiert und erhielt zwei goldene Schallplatten – für ihn war das „Supertalent“ also wirklich als Karrieresprungbrett anzusehen.
  • Yvo Antoni und seine Jack Russel-Hündin PrimaDonna waren die Gewinner 2009. Leider waren die Anstrengungen und der Stress für die Hündin zu groß – sie zog sich nach dem Sieg aus dem Showbusiness zurück.
  • Im vergangenen Jahr gewann Freddy Sahin-Scholl das „Supertalent“. Nach dem Sieg verschwand er – trotz großer Bemühungen seinerseits, wie beispielsweise die Teilnahme am österreichischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest – wieder in der Versenkung.

Alles in allem kann man nicht behaupten, dass „Talente“ wie diese sehr langlebig beziehungsweise längerfristig interessant fürs Publikum sind. Obwohl ich persönlich Panflötenmusik nicht mag, würde ich mich für Leo Rojan freuen, wenn seine Berühmtheit länger anhalten würde – gerade weil er so sympathisch ist…

07 Dez, 2011
von Elietta Becker

Seit Wochen sind die Medien voller Berichte über Thomas Gottschalk – zu Recht, wie ich finde. Dieser Mann ist ein begnadeter Entertainer, der sich „selbst nie ernst genommen hat“, wie er in seiner „Wetten dass“-Abschiedsrede erklärt hat. Wenn ich den Begriff „Charisma“ personifizieren müsste, würde er ganz oben in meiner Liste stehen, und ich kann absolut nachvollziehen, dass er ein Publikumsliebling ist. Bei einem anderen Moderator – den ich persönlich übrigens ebenso schätze – ist der Grund für seine Beliebtheit auf den ersten Blick kaum erkennbar: Günther Jauch.

Millionen TV-Zuschauer lieben ihn und schauen regelmäßig seine Sendungen. Aber was macht den Erfolg des Herrn Jauch aus? Die Optik wird es ja wohl kaum sein. Das Äußere des heute 55-Jährigen ließe eher auf einen Banker oder Versicherungsvertreter schließen als auf einen erfolgreichen Fernsehmoderator; ein absoluter Durchschnittstyp in den Bereichen Kleidung, Brille und Frisur, ganz ohne Starallüren. Die braucht er auch nicht. Ein Günther Jauch muss nicht mit geschätzt 100 strahlendweißen Zähnen Witze auf andere Leute Kosten machen. Er braucht auch nicht mit Pseudopromis auf dem Sofa zu sitzen und mit einem Dauergrinsen die Top 50 von irgendetwas zu präsentieren. Im Grunde muss sich Günther Jauch nur so geben, wie er wirklich ist – und alle lieben ihn.

Ich persönlich schätze sehr seine Ironie und seine dazu passenden Grimassen. Kaum ein mir bekannter Mensch beherrscht diese Gesichtsakrobatik so perfekt wie Herr Jauch. Dazu noch seine trocken herausgebrachten Kommentare… Teilweise lache ich über sein Verhalten mehr als über sämtliche Möchtegerncomedians zusammen… Solch feine Ironie ist in der heutigen Zeit, wo laute, schrille und platte Gags angesagt sind, nicht nur ausgesprochen selten, sondern auch sehr wohltuend.

Besonders bewundere ich an Günther Jauch seine Selbstbeherrschung. Teilweise sind die Kandidaten bei „Wer wird Millionär“ extrem nervös (dies ist ja noch zu entschuldigen), extrem dumm oder wollen sich extrem in den Mittelpunkt rücken (unentschuldbar!). Beispielsweise eine Kandidatin vor einigen Wochen; sie verfügte über alle drei Charakterzüge und hörte überhaupt nicht auf, permanent und ohne Punkt und Komma dummen Zeug zu labern, wofür ich persönlich ihr längst einen Knebel verpasst hätte. Nicht so Herr Jauch. Man sah ihm zwar teilweise an, dass seine Nerven genauso strapaziert waren wie die der Zuschauer (zumal er aufgrund der Laberei keine Chance hatte, seine Fragen zu stellen), aber er bewahrte die Contenance. Ganz Profi. Da kam seine fast 30-jährige TV-Erfahrung zum Tragen.

Apropos „Wer wird Millionär“: bereits zweimal wurde diese Sendung mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Unterhaltungssendung ausgezeichnet (2000 und 2006) und ich bin mir sicher, dass Günther Jauch einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg dieser Sendung hat. Mal ehrlich: könnt Ihr Euch diese Sendung mit einem anderen Moderator vorstellen? Ich nicht. Ein Pott und ein Deckel haben sich gefunden. Ich finde auch, dass diese besondere Ausstrahlung Jauchs in anderen Sendungen nicht so gut zum Vorschein kommt. Beispielsweise habe ich ihn mal in seiner neuen Talkshow in der ARD gesehen – wie ein Adler kam er mir vor, dem man die Flügel gestutzt hat. Aber vielleicht ging da auch nur meine Fantasie mit mir durch… ;)

10 Nov, 2011
von Elietta Becker

Heute möchte ich Euch über einen Film berichten, der mir persönlich als besonders sehenswert erschien; als leichte Sonntagnachmittagsunterhaltung an trüben Novembertagen…: „Cars 2“.

nach dem sehr erfolgreichen ersten Teil „Cars“ (2006), bei dem der US-amerikanische Regisseur John Lasseter nicht nur als Produzent, sondern auch als Regisseur tätig war, erschien im Juli 2011 der zweite Teil. Die Handlung ist eigentlich nur Nebensache – sofern man dies bei einem Film behaupten kann… Vielleicht bekam der Film deswegen auch von Experten keine besonders gute Kritik…

Naja, jedenfalls nimmt das Nascarauto Lightning McQueen an einem 3-Rennen Grandprix teil, um es seinem Erzrivalen zu zeigen, dem arroganten Formel-1-Rennwagen Francesco Bernolli. Sein bester Freund, der Abschleppwagen Hook, begleitet ihn und wird prompt mir einem Geheimagenten verwechselt – im wahrsten Sinne des Wortes wird der Ziegenbock zum Gärtner gemacht. So nimmt die Geschichte in zwei Handlungsebnen ihren Lauf: zum einen die Autorennen, zum anderen die Spionageaffäre. Beide Ebenen treffen natürlich irgendwann aufeinander…

Was „Cars 2“ zu etwas ganz Besonderen macht, ist zum einen die wunderschöne Grafik, nicht nur der Autos selbst, sondern auch der Landschaftenn und Kulissen. Jedes „car“ stellt ein echtes Auto dar, und selbst wenn man auf diesem Punkt kein Experte ist, so lassen sich die einzelnen Modelle unschwer erkennen. Darüber hinaus haben die Autos Namen, die dies verdeutlichen.

Sämtliche Protagonisten werden von Autos dargestellt; in den gesamten 107 Minuten des Films kommt kein einziger Mensch vor. Auch hierbei ist die grafische Gestaltung der Charaktere einfach perfekt gelungen. Ob die „Queen“, ihre Leibwächter oder die italienische Familia – jede der Figuren ist auf ihre Art glaubwürdig und liebevoll dargestellt worden. Dies allein schon macht „Cars 2“ zu einem der sehenswertesten Zeichentrickfilme der Gegenwart. Hinzu kommen noch wirklich komische Sprüche (meistens von Hook), die mir manchmal fast die Tränen vor Lachen in die Augen trieben. Auch die teilweise sehr humorvolle Namensgebung, wie beispielsweise „Big Bentley“ statt „Big Ben“ zeugen von einer sehr starken Fantasie der Macher dieses Films sowie großer Liebe zum Detail.

Wie gesagt: „Cars 2“ ist kein anspruchsvoller oder zum Nachdenken anregender Film, sondern einfach als lustiger Zeitvertreib anzusehen – und dafür ist er bestens geeignet!

31 Okt, 2011
von Elietta Becker

In der vergangenen Woche geriet die beliebte RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ in negative Schlagzeilen, weil drei ehemalige Kandidatinnen Interna ausplauderten, die die Bezeichnung „Reality Show“ arg in Frage stellten.

So behaupteten die Frauen beispielsweise, sie erhielten Regieanweisungen über Flirtsprüche, Liebeserklärungen und sogar über Küsse. Sollte eine (Kuss-) Szene nicht glaubwürdig oder romantisch genug wirken, musste sie wiederholt werden – also alles nur Fake. Unter Androhung von Strafen sei es den Kandidatinnen verboten, über diese Interna zu sprechen. Die drei Frauen taten es – aus welchen Gründen auch immer – trotzdem, was mich persönlich etwas verwundert. Natürlich ist es nicht in Ordnung von einem Fernsehsender, den Zuschauern eine „Realität“ nur vorzuspielen. Aber mal ehrlich: wer ernsthaft geglaubt hat, Sendeformate wie „Bauer sucht Frau“, „Schwiegertochter gesucht“ oder „Frauentausch“ seien nicht gestellt, der ist grenzenlos naiv. Von daher erzählen diese drei Frauen, die meiner Meinung nach einfach nur den Drang haben, in der Öffentlichkeit zu stehen (was eine von ihnen sogar zugegeben hat), nicht wirklich etwas Neues. Vielmehr stellen sie sich selber ein Armutszeugnis aus, denn – ob sie es nun gutheißen oder nicht – sie haben sich schriftlich mit den Vertragsbedingungen einverstanden erklärt, und dazu gehört nun einmal das Stillschweigen. Diese Verträge jetzt als „Knebelverträge“ zu beschimpfen, finde ich anmaßend. Wenn die Frauen die Bedingungen unmenschlich und indiskutabel fanden, hätten sie ja nicht zu unterschreiben brauchen; mit Sicherheit gab es genug andere Bewerberinnen. Jetzt, nachdem die Bauern diese Frauen definitiv nicht wollten, kommt eventuell auch gekränkte Ehre mit ins Spiel.

Darüber hinaus glaube ich, dass viele Bewerberinnen völlig falsche Vorstellungen vom Landleben an sich haben. Sie träumen von frischen Frühstückseiern, guter Luft und romantischen Abenden im Heu – die Realität sieht aber ganz und gar anders aus: kurze Nächte, da die Tiere versorgt werden müssen, verdammt harte Arbeit und häufig Geldsorgen. Nicht umsonst haben viele Bauern wirklich Schwierigkeiten, eine Partnerin zu finden, die mit ihnen durch dick und dünn geht…

Im Übrigen kann bei „Bauer sucht Frau“ nicht alles gefaked sein: in den sieben bisher gedrehten Staffeln kam es zu fünf Hochzeiten (die sechste soll im kommenden Frühjahr stattfinden) und weiteren Pärchenbildungen. Dass sich hin und wieder eines dieser Pare trennt, hat nicht das Geringste mit der Sendung zu tun, sondern ist leider allgemein häufig der Fall.

Die ersten Staffeln von „Bauer sucht Frau“ habe ich persönlich auch sehr gerne geschaut. Zum einen finde ich die Moderatorin Ilka Bause ausgesprochen sympathisch, zum anderen haben mich – wie Millionen andere Menschen auch – die Geschichten über die Landwirte wirklich interessiert. Inzwischen schaue ich diese Sendung allerdings nicht mehr, aber nicht wegen irgendwelchen Fakegerüchten, sondern weil sich a) die Stories mehr oder weniger wiederholen und weil ich b) die Bauern immer unsympathischer finde (übrigens genauso wie die Kandidatinnen). Kandidaten wie Bruno und Anja oder Josef und Narumol (oder selbst Schäfer Heinrich) waren sympathisch, authentisch und standen mit beiden Beinen im Leben. Doch je mehr Staffeln gedreht wurden, desto „schrottiger“ wurden in meinen Augen die Bauern (B-Bauern sozusagen). Dennoch sehe ich keinen Grund, diese Sendung schlecht zu machen; schließlich erfreuen sich durchschnittlich 7,5 Millionen Menschen pro Woche am Schicksal der Landwirte…

 

Werbung


Werbung

 

Februar 2012
M D M D F S S
« Jan    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Archive